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Erziehungswissenschaft

Erziehungswissenschaft? Was ist denn das?

Das Fach „Erziehungswissenschaft" (EW) ist eines der wenigen Fächer, die neu in der Oberstufe einsetzen und als mündliches Prüfungsfach im Abitur angewählt werden kann, wenn es ab Klasse 11 belegt wurde.

Im Fach EW steht jedes Halbjahr unter einem besonderen Kursthema, das dann aus verschiedenen Richtungen „angegangen" wird.

Im ersten Halbjahr der elften Jahrgangsstufe (11/I) heißt das Kursthema „Erziehungssituationen und Erziehungsprozesse". Hier geht um eine erste Auseinandersetzung mit Erziehung: Wo findet Erziehung statt und was ist dabei von Bedeutung? Müssen Menschen erzogen werden, und was passiert mit nicht-erzogenen Menschen, z. B. den sogenannten Wolfskindern, die ohne menschliche Kontakte aufwachsen?

Es werden „Erziehungsstile", z. B. der autoritäre Erziehungsstil, besprochen und verglichen und ihr lernt verschiedene wissenschaftliche Positionen zur Kindererziehung kennen. Wir beschäftigen uns auch mit Kommunikationsmodellen, denn seit in der Erziehung nicht mehr geprügelt wird, heißt die neue „Wunderwaffe" Sprache.

Am Ende des ersten Halbjahres sucht sich der Kurs üblicherweise eine pädagogische Fragestellung, zu der gearbeitet werden soll, aus. Dies können Fragen nach der Erziehung eurer Eltern oder Großeltern, der Erziehung in anderen Kulturen oder der Erziehung von Kindern in Krisensituationen sein.

In 11/II ist das Kursthema „Lernen und Entwicklung". Ihr geht den Fragen nach, wie Menschen lernen und wie man Lernprozesse gestalten kann, damit sie die Persönlichkeitsentwicklung fördern. Bei der Beantwortung werdet ihr euch mit sehr unterschiedlichen Lerntheorien auseinander setzen.

Weitere Themen sind die Entwicklung des Denkens, Intelligenz und Begabung, Lernbehinderungen oder Lernmotivation.

In 11/II können Arbeits- bzw. Präsentationstechniken des EW-Unterrichts vertieft werden.

In Zeiten des Zentralabiturs in NRW sind die Inhalte in der Qualifikationsphase (Jahrgangsstufen 12/I bis 13/II) festgelegter als früher. Teilweise treten auch Änderungen ein. Darüber könnt ihr Euch auf der Internet-Seite des Schulministeriums informieren.

Neben den Inhalten, die hier beispielhaft aufgeführt sind, kommt im EW-Unterricht der Frage, wie man etwas erarbeitet, eine besondere Bedeutung zu. Zu den wichtigen Methoden gehören die unterschiedlichen Formen der Textarbeit (um pädagogische Fachtexte zu verstehen, muss man sich intensiv mit ihnen auseinander setzen), Rollenspiele, Referate, Filmanalyse, die Arbeit mit Grafiken/ Statistiken, Experimenten, Recherchen im Internet und in Bibliotheken, Biografiearbeit und Präsentationstechniken.

Falls ihr euch nicht sicher seid, ob ihr das Fach Erziehungswissenschaft wählen sollt, erkundigt euch bei SchülerInnen, die bereits EW haben. Oder nehmt als Gast an einer Unterrichtsstunde teil (bitte vorher die Lehrerin fragen)!

Eure A. Schillo


Kurze Übersicht über die Schwerpunkte von der 11.1 bis zur 13.2
(entnommen aus den Richtlinien und Lehrplänen für das Fach Erziehungswissenschaft der Sek. II an Gymnasien und Gesamtschulen)

11.1: Erziehungssituationen und Erziehungsprozesse
a. Das Individuum im Erziehungsprozess
b. Erziehungsverhalten und Legitimation von Erziehungspraktiken
c. Erziehung in verschiedenen historischen und kulturellen Kontexten

11.2: Lernen und Entwicklung
a. Beobachtung, Beschreibung und Analyse von Lernvorgängen
b. Entwicklung- und Lernprozesse
c. Beeinflussung und Selbststeuerung von Lernprozessen

12.1: Entwicklung und Sozialisation in der Kindheit
a. Grundlagen und Interdependenz von Entwicklung und Sozialisation
b Modelle der wissenschaftlichen Erfassung von Entwicklung, Sozialisation und Entwicklungsstörungen im Kindesalter
c. Pädagogisches Denken und Handeln aufgrund von Erkenntnissen über Entwicklung und Sozialisation

12.2: Entwicklung, Sozialisation und Identität im Jugend- und Erwachsenenalter
a. Entwicklung, Sozialisation und ihre Risiken in Pubertät und Jugendalter sowie ihre wissenschaftliche Erfassung
b. Pädagogisches Denken und Handeln aufgrund von Erkenntnissen über Entwicklung und Sozialisation in Pubertät und Jugendalter
c. Entwicklung, Sozialisation und Identität im Lebenszyklus

13.1: Nomen und Ziele in der Erziehung
a. Normen und Ziele in verschiedenen historischen, politischen und kulturellen Erziehungskontexten
b. Institutionalisierung von Erziehung
c. Pädagogische Theoriebildung

13.2: Identität
a. Erzieherische Aspekte der Identitätsbildung im Kontext persönlicher Entfaltung und sozialer Verantwortlichkeit



 
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