Wenn Sokrates auf Dieter
Nuhr trifft (MT-Kritik vom 28.11.2009)
Begeistertes Publikum beim Gala-Abend des
Literaturkurses 12/13 der Verbundschule Hille
Von Claudia Hyna
Hille (mt). 35
gut gelaunte Schüler des Literaturkurses 12/13 haben gezeigt, dass
Schule mehr sein kann als Mathe, Deutsch und Physik. Sie boten eine
mitreißende und unterhaltsame Gala in der Aula der Verbundschule.
Die Schülerinnen
und Schüler starteten im wahrsten Sinne des Wortes mit einem
Kracher: Zum Song „Another brick in the wall“ von Pink Floyd
ließen sie eine Mauer einstürzen. Diese Hymne aller unzufriedenen
Schüler aus dem Jahr 1979 machte den Anfang, weiter ging es mit
Musik und Schauspiel zum Thema „Achtung! Schule hochkonzentriert“.
Alles drehte
sich um Schule von innen: Schulgeschichte und -geschichten, Lehrer-
und Schülerverhalten und ein Ausblick in die Zukunft. Doch zunächst
begeben wir uns weit in die Vergangenheit zurück - ins antike
Griechenland. Herrlich, wie Louisa Husemöller auf einem Rollbrett in
breitestem Sächsisch den Dialog von Sokrates über die Gerechtigkeit
ankündigt. Der Dialog selber verlangt vom Zuhörer einiges ab,
verwirrt mehr, als dass er erklärt - ein gewünschter Effekt.
Schwere Kost
liefert auch „Die jammervolle Klage der Schulmeister“ von Philipp
Melanchthon. Eine Szene aus Heinrich Manns „Professor Unrat“
gerät dagegen leichter. Sabrina Stoplock (in tollem Outfit) singt
live und mit viel Abwechslung in den Stimmlagen „Ich bin von Kopf
bis Fuß auf Liebe eingestellt“.
Bevor es zu
romantisch wird, stolpert Herbert Knebel, Entschuldigung, natürlich
Jan-Patrick Lücking auf die Bühne. Er erzählt von Schule früher
und heute und stellt fest: Heute lassen sich die Schüler nix mehr
gefallen. Sein Tipp an die Lehrer: Tut es ihnen gleich. Was Lücking
hier abliefert, ist Kabarett vom Feinsten und trifft den Nerv der
Zuschauer, die ihm restlos begeistert applaudieren.
Ebenso ergeht es
auch Sören Möhlenpage, der im zweiten Teil des Abends dem Publikum
den Dieter Nuhr macht. Er gesteht, dass er selber Lehrer sei und
daher weiß, dass man als solcher, ohne etwas gelernt zu haben, auf
die Schüler losgelassen wird. Er zögert und windet sich wie Nuhr,
um dann die coolsten Sprüche loszulassen. Die beiden sind wirkliche
Entdeckungen!
Auch die
Livemusik, bei der vor allem Florian Ordowsky als Sänger zu erwähnen
wäre, setzt Akzente. Unter die Haut gehen „Teach your children“
(von Crosby, Stills, Nash and Young) und „Augen auf“ (Sido). Dass
„Nie mehr Schule“ (Falco) keine Lösung ist, erkennen die Schüler
in einer Szene aus Nigel Williams „Klassenfeind“. Zu Beginn
liefern sich Hip-Hopper, Emos, Streber und Tussen massiven
Klassenterror und vertreiben alle Lehrer. Als sie sich fragen, ob sie
denn wirklich so werden sollen wie ihre Eltern, beschließen sie,
sich selbst zu unterrichten.
Weitere Szenen
kommen aus dem Kinofilm „Club der toten Dichter“, „Die
Feuerzangenbowle“, Markus Orths „Klassenzimmer“ und dem High
School Musical. Wie ein möglicher Schulalltag zur NS-Zeit aussah,
dazu haben sich die Schüler ein beklemmendes Anspiel ausgedacht.
Knapp zwei
Schuljahre haben die Schüler an der Show gearbeitet, zwei Monate
verblieben zum Einstudieren. Dabei kümmerten sie sich auch um
Bühnenbild, Technik, Musik und Werbung. „Schön ist, dass die
Gruppe aus den verschiedenen Jahrgangsstufen zusammengewachsen ist“,
erklärte Stefanie Falkenau, die mit Michael Otte die Gesamtleitung
hatte. Wenn darüber hinaus Denkanstöße gegeben werden konnten -
umso besser.
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