Es war einmal ein DuG-Abend…
Eintrag vom 27. Februar 2026
Märchen sind komplett veraltet und obendrein noch langweilig? Wer das behauptet, dem würden die DuG-Kurse der Jahrgänge 7 bis 10 sicherlich widersprechen. Unter dem Thema „Grimm[ig], Busch[ig], Anders[en]“ haben die Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtfaches bekannte Märchen ausgewählt, adaptiert und für die Bühne gestaltet.
Die Ergebnisse haben sie schließlich am jährlichen DuG-Abend, am 3. Februar, vor einer vollen Aula präsentiert. Musikalisch führte die Schulband „KICK BACK“ durch den Abend und verlieh den Pausen zwischen den Jahrgängen das besondere Etwas. Langweilig wurde es dabei ganz sicher nicht.
Den Anfang machte der 7. Jahrgang, der sich mit dem Märchen „Rotkäppchen“ auseinandersetzte und dabei nah am Originaltext blieb. Einfach vorgelesen wurde der Text hier jedoch nicht, da sich der Jahrgang typischerweise mit dem Thema „Körpersprache“ beschäftigt. Bis auf wenige erklärende Textpassagen ging es für die Schülerinnen und Schüler also darum, die Märchenhandlung unter Einsatz des eigenen Körpers zu erzählen. Die Lernenden wurden dabei in Standbildern zu den Bäumen des Märchenwaldes, zu Häusern, Möbeln und Märchenfiguren und führten ihr Publikum so Bild für Bild durch die Geschichte. Was dem Publikum hierbei häufig verborgen bleibt, ist, wie viel Aufmerksamkeit und Timing der Darstellerinnen und Darsteller ein solcher Ablauf erfordert. Dieses Miteinander, die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse und der Bedürfnisse anderer, die Übernahme von Verantwortung in der Gruppe – all dies sind Grundprinzipien des Darstellen und Gestalten Unterrichts, die die Schülerinnen und Schüler des 7. Jahrgangs bereits überzeugend verinnerlicht haben.


Der 8. Jahrgang setzte sich vor allem mit dem Begriff „Anders“ aus dem Titel auseinander, denn hier ging es um die Frage: „Was wäre, wenn die Märchenhandlung ganz anders verlaufen wäre?“ Ausgangspunkt der Szenen des Jahrgangs mit dem Schwerpunkt „Bildsprache“ waren Märchenbilder, die in Standbilder für die Bühne umgesetzt wurden. Von diesen ausgehend entwickelten die Darstellerinnen und Darsteller Szenen, die mit der klassischen Märchenhandlung brachen. So schlief beispielsweise die Prinzessin auf der Erbse sehr entspannt auf Dosenerbsen oder Aschenputtel passte auf einmal der eigene Schuh nicht mehr, weil sie geschwollene Füße vom Tanzen hatte. Das Ziel der Schülerinnen und Schüler war es, möglichst überraschende Wendungen zu präsentieren und dem Publikum das ein oder andere Schmunzeln zu entlocken.


Besonders in diesem Jahrgang, in dem einige der Schülerinnen an der schulinternen Skifahrt teilnahmen, waren genaue Absprachen und eine gute Zusammenarbeit wichtig. So übernahmen eben diese Schülerinnen in den Vorbereitungswochen die Rolle von Beratern und Regisseuren in ihren Gruppen, sprangen bei Krankheit aber auch auf der Bühne ein. So wurden auch sie Teil des DuG-Abends, auch wenn sie nicht live dabei sein konnten.


Als typisches Märchenelement stellte der 9. Jahrgang die Prinzessin in Not in den Fokus. Zum Themenbereich „Schwarzlicht“ gestalteten und nutzten die Schülerinnen und Schüler leuchtende Requisiten, die die Bühnenhandlung in Szene setzten. Die strahlenden Kronen und kriechenden Dornenranken lenkten hierbei die Blicke des Publikums. Besonders das schimmernd weiße Tuch über dem angeblich toten Schneewittchen wirkte besonders eindrucksvoll und ersetzte den klassischen Glassarg überzeugend. Hierin zeigte sich besonders, dass im Fach Darstellen und Gestalten gedankliche Flexibilität und alternative Lösungsstrategien sehr wichtig sind. Die Darstellerinnen und Darsteller lernen früh, dass man manchmal um die Ecke denken muss, um die eigenen Ideen auf die Bühne zu bringen, dass dies aber nicht weniger eindrucksvoll sein muss.


Als letzte Gruppe holte der 10. Jahrgang die Märchenwelt in die Gegenwart. Wenn sich Opa und Enkel über die Unterschiede zwischen Schneewittchen und Schneeflittchen unterhalten und diese nun nicht mehr im Wald, sondern auf der Reeperbahn unterwegs ist, dann hat dies eindeutig nichts mehr mit verstaubten Büchern zu tun. Mit knalligen und selbstgebauten Bühnenbildern, Spiel und Tanz zeigten die Darstellerinnen und Darsteller, wie viel sie in den letzten Jahren gelernt haben. Als die erfahrensten Schülerinnen und Schüler des Faches entwickelten diese jedoch nicht nur ihre Szenen weitgehend selbst, auch die Moderation des Abends lag in ihrer Hand. Schon im Vorfeld des DuG-Abends setzten sie sich deswegen mit den Ergebnissen der anderen Jahrgänge auseinander, beobachteten genau und tauschten sich mit den jüngeren Lernenden aus. Das Ergebnis waren lustige und sehr wertschätzende Moderationsbeiträge – ein Zeichen dafür, dass auch die jahrgangsübergreifende Arbeit im Fach einen großen Anteil hat.


Wie viel Einfluss das Fach Darstellen und Gestalten auf die Lernenden haben kann, zeigte sich insbesondere in den Dankesworten der Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs gegenüber ihren Lehrerinnen Frau Beck, Frau Spilker und Frau Wessel. Die Darstellerinnen und Darsteller bedankten sich dafür, dass sie sich in den vier Jahren DuG-Unterricht ausprobieren durften, ihre persönlichen Grenzen und Werte im Miteinander ausloten konnten und sie einfach sie selbst sein und werden durften.
Klingt das nicht nach einem Happy End?
Autorin: R. Stegemeyer
Foto-Seite des Mindener Tageblatts
zurück