PRESSE: Mehr als Worte: Verbundschüler präsentieren die Kraft von Gesten, Mimik, Licht und Ton
Eintrag vom 19. Mai 2026
Körpersprache und Bilder bilden beim Darstellen-und-Gestalten-Abend in der Verbundschule einen Schwerpunkt. Die Jugendlichen zeigen in ihren Inszenierungen, wie effektvoll die Wege der Kommunikation sind.
Es geht um Körpersprache, Mimik und Worte. Max Pansing erzählt gegenüber dem MT, dass er sich früher noch nicht so gut ausdrücken konnte. „Heute fällt es mir leichter, vor Leuten zu sprechen“, sagt der 15-Jährige am Dienstagabend. Knapp 30 Minuten sind es da noch, bis der Neuntklässler auf der Bühne der Verbundschulaula steht – vor großem Publikum. Es ist der „Darstellen-und-Gestalten-Abend“, an dem Jugendliche aus vier Jahrgangsstufen teilnehmen.
Ein bisschen aufgeregt sei er schon, sagt Max Pansing. So geht es auch Leandro Meckel, der in der zehnten Klasse ist und am DuG-Kurs ebenfalls schon ein paar Mal teilgenommen hat. In diesem Unterricht geht es gezielt darum, sich vor anderen Menschen zu präsentieren. Beide Jungs blicken ihrem Auftritt mit freudiger Anspannung entgegen. Doch so nervös wie früher seien sie nicht mehr. „Man bekommt mehr Selbstvertrauen.“ Das erklären tatsächlich beide.
Überraschenderweise geht es gar nicht darum, die großen Worte zu schwingen. Ronja Stegemeyer ist eine der acht Lehrkräfte, die den Kurs unterrichten. „Unsere Erfahrung ist, sobald die Sprache dazukommt, geht die Mimik zurück“, sagt sie. Deshalb gehe man mit den Sprechrollen sehr sparsam um und steigere das erst mit der Zeit. Im ersten Auftritt der Siebtklässler dominieren deshalb Gesten und Lichteffekte. Rotkäppchen im Zauberwald lautet das Thema.
Es gibt nur ein paar erklärende Worte, dafür dominiert die Körpersprache. Das genügt schon, um der Handlung zu folgen. Acht Standbilder sind es insgesamt, die das Publikum problemlos interpretieren kann. Die Darstellerinnen und Darsteller sind farblich identisch gekleidet – allein der rote Umhang des Rotkäppchens hebt sich ab. Als besonders effektvoll erweist sich die Lichttechnik, die mit ihrem grünlichen Dämmerlicht die Atmosphäre eines Waldes erzielt.
Nach dem ersten Auftritt wird klar, dass sich Kommunikation nicht nur in der Sprache wiederfindet, sondern viele Gesichter hat. Es geht darum, Stimmungen zu erzeugen und Emotionen zu wecken. Mucksmäuschenstill ist es zeitweise in der Rotkäppchen-Interpretation, die nach den einleitenden Worten einer Schülerin wohl einzigartig sei. Das Märchen der Brüder Grimm kommt auf der Bühne der Verbundschule beinahe mystisch rüber.
Beim zweiten Auftritt geht es um Bildsprache, projizierte Zeichnungen auf einer Leinwand unterstützen die Präsentation. Ab diesem Punkt ist klar, worum es in dem Darstellen-und-Gestalten-Kurs grundsätzlich geht: Nicht darum, lautstark aufzufallen, sondern um die vielen Wege, wie Botschaft gesendet werden können.
Nehmen Schulen ein solches Angebot in ihren Lehrplan auf, steckt da selbstverständlich ein pädagogisches Konzept hinter. Die traditionelle Aufführung zum Schulhalbjahr ist das eine, der Lerneffekt das andere. Denn die Jugendlichen machen wichtige Erfahrungen. Das sagt unter anderem Lea Kristin Woltersdorf gegenüber dem MT. Die 14-Jährige erzählt, dass sie schon immer gerne die Aufmerksamkeit in der Menge gesucht habe. Der Rothenuffelnerin mangelt es erkennbar nicht an Selbstbewusstsein – und das sagt sie sogar von sich selbst. Was nimmt sie aus dem DuG-Kurs mit? „Dass es auf den Teamgeist ankommt“, erklärt die Achtklässlerin. Sie habe gemerkt, wie schön es ist, in der Gruppe etwas zu erarbeiten. Auch ihr Team beschäftigt sich mit Rotkäppchen und sie spiele den bösen Wolf.
Über Monate haben die Schülerinnen und Schüler ihre Auftritte einstudiert, sich gegenseitig motiviert oder auch Tipps für die jeweiligen Inszenierungen gegeben. Einige von ihnen sprechen vor der Aufführung über die vielen Möglichkeiten, sich auszudrücken. Es zeigt sich, dass der Kurs sie alle auch persönlich bereichert hat. „Früher war ich etwas introvertierter“, sagt beispielsweise Sophia Frohne. Die 14-Jährige sagt, das habe sich geändert. Und Liah Tirre aus der siebten Jahrgangsstufe erzählt, dass der DuG-Kurs dazu geführt habe, dass sie sich mittlerweile sprachlich weitaus besser ausdrücken könne. Man werde wortgewandter, sagt die Espelkämperin.
Schon seit mehreren Jahren gibt es das Kursangebot in der Verbundschule, in dem sich speziell ausgebildete Lehrkräfte über das gesamte Schuljahr mit den Jugendlichen beschäftigen. Traditionell arbeiten die Zehntklässler weitgehend eigenständig und entwickeln ihr Bühnenbild selbst. Bei den jüngeren Jahrgängen bringen sich die Lehrkräfte tiefer ein. Ronja Stegemeyer ist als Lehrerin seit acht Jahren mit dabei. Sie verfolgt die Entwicklung der Teilnehmenden über einen langen Zeitraum, denn der versetzungsrelevante Kurs wird von Klasse sieben bis zehn angeboten. „Anfangs noch sehr schüchterne Typen können später auf der Bühne ganz anders sein“, sagt sie.
Könnten sich die Mitwirkenden vorstellen, Schauspielerei zum Hobby zu machen? Kurioserweise plant das keiner der vom MT befragten Schülerinnen und Schüler. „Mich interessiert das schon, aber ich habe es nicht vor“, sagt beispielsweise Leandro Meckel. Der 16-Jährige geht in die zehnte Klasse und deshalb ist es für ihn der letzte Darstellen-und-Gestalten-Abend. Seit der siebten Klasse ist er dabei gewesen und kurz vor der Aufführung wirkt er zumindest äußerlich gelassen. Spannend ist es für ihn schon am Morgen gewesen, denn: Erst am Dienstagvormittag hatten sich alle Mitwirkenden erstmals zur Generalprobe getroffen und alles durchgespielt.
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