PRESSE: Mit Argumenten an die Spitze: Anna Wulf schreibt Debattier-Geschichte für die Verbundschule Hille
Eintrag vom 20. Mai 2026
Sachlich und mit starken Argumenten hat sich die 16-jährige Eickhorsterin bis an die Spitze debattiert. Als erste Hiller Schülerin gewinnt sie den Regionalentscheid von Jugend debattiert – und greift nun nach dem Landestitel.
Wer Anna Luisa Wulf (16) aus Eickhorst zuhört, merkt schnell: Hier spricht jemand, der seine Argumente ordnet, abwägt und präzise auf den Punkt bringt. Dass sie gerne erzählt und diskutiert, gibt sie selbst lachend zu. „Meine Eltern würden sagen, dass ich viel rede“, sagt die Zehntklässlerin der Verbundschule Hille. Nun hat sie dieses Talent eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Nach dem zweiten Platz im Schulwettbewerb hat sie jetzt den Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ in Detmold gewonnen – als erste Hiller Schülerin überhaupt.

Der Weg dorthin begann Anfang des Jahres. Am 19. Januar traten die Kursgewinnerinnen und -gewinner der Debattierkurse aus den Jahrgängen 9 und 10 im Schulwettbewerb gegeneinander an. An der Verbundschule gibt es zunächst kursinterne Wettbewerbe, aus denen die Besten hervorgehen. Diese messen sich anschließend auf Schulebene.
Doch was bedeutet es eigentlich, zu debattieren? Eine Debatte besteht aus zwei Teams mit jeweils zwei Schülerinnen oder Schülern. Zwei vertreten die Pro-Seite, zwei die Contra-Seite. Diskutiert wird eine konkrete Streitfrage, etwa: „Soll der Unterricht an der Verbundschule Hille erst um 9 Uhr beginnen?“ Die Pro-Seite schlägt eine Veränderung der bestehenden Regel vor und begründet diese. Die Contra-Seite spricht sich für den Erhalt der aktuellen Situation aus und argumentiert entsprechend.
Die Debatte gliedert sich in drei Runden: Zunächst halten Pro und Contra jeweils eine Eröffnungsrede. Es folgt eine zwölfminütige freie Aussprache ohne feste Struktur, in der die vier Beteiligten ihre Argumente vertiefen. Den Abschluss bilden die Schlussreden, in denen die Positionen zusammengefasst werden. Eine Jury aus älteren Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie Zeitnehmern bewertet die Leistungen nach vier Kriterien: Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.
Im Schulwettbewerb standen unter anderem die Fragen im Raum, ob für das Fahren von E-Scootern eine Führerscheinpflicht gelten soll oder ob schriftliche Prüfungen für den Schulabschluss am Computer geschrieben werden sollten. Die Gewinnerinnen dieser Runden waren Anna Luisa Wulf (10g), Ida Südmeyer (10c), Emma Stille (9g) und Maria Apoyan (9g). Im Finale debattierten sie vor größerem Publikum – die Gymnasialklassen des 8. Jahrgangs verfolgten die Auseinandersetzung im Klausurraum – über die Frage: „Soll eine allgemeine Dienstpflicht für Jugendliche eingeführt werden?“
Als die Klingel das Ende der Finaldebatte einläutete, war die Anspannung groß. Am Ende gingen Maria Apoyan und Anna Luisa Wulf als Siegerinnen hervor. Sie durften die Verbundschule beim Regionalwettbewerb in Detmold vertreten. Begleitet wurden die Schülerinnen von den beiden Lehrkräften Sonja Schekatz-Schopmeier und Jessica Bleckmann.
In Detmold ging es Schlag auf Schlag, berichtet Anna Wulf. Nach der Begrüßung folgten direkt die ersten beiden Debatten, nach der Mittagspause das Finale. Gerade einmal 20 Minuten Vorbereitungszeit blieben ihr und ihrer Partnerin für die letzte Runde des Tages. „Natürlich war ich aufgeregt“, sagt sie. Doch ihre Mitschülerinnen, die als moralische Unterstützung mit nach Detmold gefahren waren, hatten Vertrauen. „Dass sie gewonnen hat, hat mich nicht überrascht“, sagt Julia Trakilovic rückblickend. „Sie hat sich von den anderen abgehoben.“ Rike Volkmann ergänzt: „Anna war einerseits sachlich, aber andererseits nicht zu emotional.“ Emma Stille konnte als Zuhörerin auch für sich selbst einiges mitnehmen: „Davon kann ich einiges anwenden.“
Für Anna geht es nun weiter: In der kommenden Woche nimmt sie an einem Vorbereitungsseminar für den NRW-weiten Entscheid teil, der Ende März in Düsseldorf stattfindet. Wer sie dorthin begleiten darf, wird noch entschieden – ihre Freundinnen würden sie natürlich gerne wieder unterstützen. „Wir hoffen, dass Anna weit kommt – aber vor allem persönlich viel für sich mitnehmen kann“, sagt Jessica Bleckmann.
Dass Anna sich für das Wahlpflichtfach Debattieren entschieden hat, war kein Zufall. „Es hat mich am meisten interessiert“, sagt sie. Im Unterricht setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen auseinander. Typische Fragen lauten etwa: Sollte die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in schriftlichen Prüfungen der Oberstufe zugelassen werden? Sollten Privatgärten verpflichtend insektenfreundlich gestaltet werden? Sollte für Tiere eine Krankenversicherung Pflicht sein? Braucht es eine Altersgrenze für die Nutzung sozialer Medien?
Seit 2012 sind die Unterrichtsinhalte an der Verbundschule mit dem Wettbewerb „Jugend debattiert“ verknüpft. Lehrerin Jessica Bleckmann möchte ihre Schülerinnen und Schüler zum kritischen Denken anregen. „Es geht darum, fundiert zu argumentieren, tief in Themen einzusteigen und eine rhetorische Kompetenz aufzubauen“, sagt sie. Die Jugendlichen recherchieren, nehmen unterschiedliche Perspektiven ein und üben sich in Spontanität. Im weitesten Sinne sei das auch Demokratieförderung.
Dabei vertreten die Debattierenden nicht immer ihre eigene Meinung. „Das ist am Anfang schwer, aber man kommt mit der Zeit besser damit klar“, sagt Rike Volkmann. Schließlich gehe es nicht darum, die eigene Ansicht durchzusetzen, sondern Argumente auszutauschen. Am Ende stehe nicht zwangsläufig die perfekte Lösung, wohl aber ein Erkenntnisgewinn.
Auch im Alltag zahlt sich das aus. „Bei Streitigkeiten oder Diskussionen bleibe ich bei den Fakten und reagiere weniger emotional“, berichtet Julia Trakilovic. Anna Wulf stimmt zu: „Ich bewahre generell mehr die Ruhe. Debattieren ist für viele Lebensbereiche sinnvoll.“ Respekt spiele dabei eine zentrale Rolle. „Es gehört sich nicht, dem anderen ins Wort zu fallen“, betont Anna. Die Redeanteile sollten gerecht verteilt sein, entscheidend sei, aufeinander einzugehen und Argumente sinnvoll zu verknüpfen. Hilfsmittel sind im Wettbewerb übrigens kaum erlaubt: Nur ein leeres Blatt Papier und ein Stift. „Die Argumente musst du im Kopf haben.“
Ob sie ihr Talent später beruflich nutzen möchte, lässt die 16-Jährige noch offen. Sie könne sich vorstellen, im Medienbereich zu arbeiten – „da ist ja auch Recherchearbeit gefragt“. In die Politik zieht es sie eher nicht. Dort würden Debatten selten sachlich geführt, meint sie mit einem Schmunzeln.
zurück